Führerschein auf Probe – bei Verfehlungen während der Probezeit gibt es keine Gnade
Führerscheinneulinge erhalten das begehrte Papier zunächst nur zwei Jahre auf Probe. Wer sich während der Probezeit nicht peinlich genau an die Verkehrsregeln hält, muss mit kostspieligen Aufbauseminaren und einer spürbaren Verlängerung der Probezeit rechnen.

Nachdem festgestellt wurde, dass Fahranfänger auffällig oft in Verkehrsunfälle verwickelt waren, wurde 1986 der „Führerschein auf Probe“ eingeführt. Seitdem wird die Fahrerlaubnis beim erstmaligen Erwerb nur auf Probe erteilt. Die Probezeit beginnt mit der Aushändigung des Führerscheins. Sie dauert zwei Jahre. Das Ablaufdatum der Probezeit wird im Führerschein vermerkt.

Alle Verkehrsverstöße, die während der Probezeit ins Verkehrszentralregister eingetragen werden, haben zwingend die Anordnung eines Aufbaukurses und eine Verlängerung der Probezeit um weitere zwei Jahre zur Folge.

Während der Probezeit werden drei verschiedene Kategorien von Verkehrsverstößen unterschieden:

  1. Verkehrsdelikte, die unterhalb der Punktegrenze liegen und nicht in die Verkehrszentralkartei in Flensburg eingetragen werden, haben auf den Führerschein und die Dauer der Probezeit keine Auswirkungen. Hier handelt es sich im Wesentlichen um Verwarnungs- und Bußgelder unter 40 Euro.
  2. A-Verstöße sind zum einen schwerwiegende Zuwiderhandlungen gegen die Regeln des Straßenverkehrs. Hierzu zählen die meisten Verkehrsstraftaten wie z. B. Straßenverkehrsgefährdung, Trunkenheit im Verkehr, Unfallflucht und Nötigung. Zum anderen gehören zur A-Gruppe aber auch Ordnungswidrigkeiten, wie beispielsweise falsches Überholen, Vorfahrtsverletzungen, Rotlichtverstöße, Überschreiten der zulässigen Höchstgeschwindigkeit um mehr als 20 km/h oder ungenügender Sicherheitsabstand bei Geschwindigkeiten von mehr als 80 km/h.
  3. B-Verstöße sind Zuwiderhandlungen gegen die Straßenverkehrsordnung wie Gefährdung oder Behinderung von Fußgängern oder Radfahrern beim Abbiegen, das Fahren mit abgefahrenen Reifen, das Überschreiten der Frist für die TÜV-Untersuchung um mehr als acht Monate ebenso wie die Gefährdung von Personen an Haltestellen offentlicher Verkehrsmittel.

Kommt es zu Verkehrsverstößen der A- oder B-Kategorie während der Probezeit, gilt folgende Stufenregelung:

  1. Wird während der Probezeit ein A-Verstoß oder werden zwei B-Verstöße begangen, ordnet die Führerscheinstelle die Teilnahme an einem Aufbauseminar an. Die Probezeit verlängert sich in diesem Fall automatisch um zwei Jahre. Ein Rechtsmittel gegen die Verlängerung der Probezeit gibt es nicht. 
  2. Wird während der (verlängerten) Probezeit erneut ein A-Verstoß oder werden zwei B-Verstöße begangen, bekommt der Führerscheinneuling eine schriftliche Verwarnung. Außerdem wird ihm empfohlen, binnen zwei Monaten an einer verkehrspsychologischen Beratung teilzunehmen. Die Teilnahme an einer derartigen Beratung ist freiwillig jedoch nicht kostenlos. Um einen Anreiz zur Teilnahme an einer psychologischen Beratung zu bieten, werden gegen Vorlage einer Teilnahmebescheinigung zwei Punkte in Flensburg erlassen.
  3. Wer trotz Teilnahme an einem Aufbauseminar und trotz schriftlicher Verwarnung erneut einen A-Verstoß oder zwei B-Verstöße begeht, dem wird die Fahrerlaubnis entzogen. Eine neue Fahrerlaubnis  wird dann frühestens nach drei Monaten erteilt.

Aufbauseminare werden von hierzu besonders zugelassenen Fahrschulen durchgeführt. Die Kosten hierfür liegen zwischen 250 und 400 Euro. In den Seminaren werden die begangenen Verkehrsdelikte besprochen. Ferner wird der Versuch unternommen, künftiges verkehrsgerechtes Verhalten zu vermitteln. Die Nachschulung dauert insgesamt neun Stunden, üblicherweise aufgeteilt in vier Blöcke zu 135 Minuten. Zum Aufbauseminar gehört auch eine Fahrprobe, die mit dem Fahrschullehrer durchgeführt wird. Eine irgendwie geartete Prüfung muss nicht abgelegt werden. Über die Teilnahme an der Nachschulung wird eine Teilnahmebescheinigung erteilt. Wird diese der Führerscheinstelle fristgerecht vorgelegt, wird die Fahrerlaubnis wieder erteilt.

Waren bei dem Verkehrsverstoß Alkohol oder Drogen im Spiel, ist ein besonderes Aufbauseminar zu absolvieren, das von speziell hierfür zugelassenen Psychologen durchgeführt wird.

Tipps für Fahranfänger:

Führerscheinneulinge sollten sich stets darüber im Klaren sein, dass Verkehrsverstöße, die selbst erfahrenen Verkehrsteilnehmern immer wieder unterlaufen, wie relativ geringe Geschwindigkeitsüberschreitungen, zu kurzer Sicherheitsabstand oder Fehler beim Abbiegen, ein Aufbauseminar und eine Verlängerung der Probezeit zur Folge haben können. Deshalb kann Fahranfängern nur empfohlen werden, vorsichtig zu fahren und die Verkehrsvorschriften peinlich genau einzuhalten.

Da die Probezeit bereits mit Aushändigung des Führerscheins beginnt, kann selbstverständlich schon ein am Tag der Aushändigung des Führerscheins begangener Verkehrsverstoß eine Verlängerung der Probezeit um zwei Jahre zur Folge haben.

Bei einem Bußgeld ab 40 Euro kann es sinnvoll sein, einen Verteidiger einzuschalten, um zu versuchen, eine Herabsetzung der Geldbuße unter 40 Euro zu erreichen, um so eine Eintragung in das Verkehrszentralregister zu vermeiden. Wegen der Höhe der anfallenden Anwaltskosten empfiehlt es sich, rechtzeitig eine Rechtsschutzversicherung abzuschließen.

Gegen die Anordnung eines Aufbauseminars, ebenso gegen die Entziehung der Fahrerlaubnis, kann zwar Widerspruch eingelegt werden. Diese Rechtsmittel haben jedoch keine aufschiebende Wirkung, so dass nur durch Einlegen eines Widerspruchs der Verlust des Führerscheins nicht vermieden werden kann. Der Verteidiger muss deshalb nicht nur Widerspruch einlegen, sondern zugleich auch einen Antrag auf Aussetzung der sofortigen Vollziehung stellen.

Jeder, der seit mindestens sechs Monaten den Führerschein besitzt und sich noch während der Probezeit befindet, kann freiwillig an einem „Fortbildungsseminar für Fahranfänger mit Führerschein auf Probe“ (FSF-Kurs) teilnehmen. Mit der Teilnahme an einem solchen Fortbildungsseminar kann die Probezeit um ein Jahr verkürzt werden. Ein FSF-Kurs ist insbesondere für die Fahranfänger interessant, deren Probezeit bereits einmal auf vier Jahre verlängert wurde.

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